Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Ortsgruppe Siegburg

Nordbrücke © Sascha Engst / Stadt Bonn

Verbände an Verkehrsminister Bilger: Nordbrücke kurzfristig 1:1 ersetzen

Vorschlag: Ersatzbau statt breiterem Neubau, um Zeit zu sparen – Baubeginn parallel zur Erneuerung der Vorlandbrücke

In einem gemeinsamen Schreiben mit Datum vom 28.8.2026 wendeten sich gleich vier betroffene Vereine bzw. Initiativen an Bundesverkehrsminister Steffen Bilger. Der ADFC Bonn/Rhein-Sieg, der VCD BN-RS-Ahr, der BUND Rhein-Sieg sowie die Bürgerinitiative "Wir für 4" treten darin für eine koordinierte und moderne Verkehrspolitik in der Region Bonn ein. Im Fokus stehen dabei die Planungen für die Nordbrücke (Friedrich-Ebert-Brücke, BAB 565) sowie den Tausendfüßler. Anlässlich des geplanten Besuchs des Verkehrsministers am kommenden Donnerstag in Bonn erinnern sie an ihre Forderungen.

Dringend angeregt wird ein Runder Tisch, der die verschiedenen Planinteressen auch unter Mitwirkung der lokalen Verkehrs- und Umweltinitiativen abstimmt und koordiniert und langfristig harmonisiert. Das ist schon für eine effiziente und erfolgreiche Planung und zur Klärung möglicher bzw. absehbarer Konflikte im Vorfeld sinnvoll.

Für die Nordbrücke schlagen die Initiatoren vor, auf einen direkten Ersatzbau zu setzen und die bestehende Nordbrücke 1:1 durch einen Neubau zu ersetzen – und zwar bereits zeitlich parallel zum laufenden Neubau der Vorlandbrücke. Dabei sollte wie bisher die Auffahrt in Bonn-Castell in Richtung Beuel erhalten bleiben. Voraussichtlich könnte bei einem echten Ersatzbau dann mit Verweis auf § 17 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Bundesfernstraßengesetz ein Planfeststellungsverfahren entfallen.

Ziel ist es, die aktuelle, durch den Bau der Vorlandbrücke bedingte, etwa zweijährige Sperrzeit der Brücke bereits zeitlich effizient für den Neubau auch der Rheinbrücke selbst mit zu nutzen. Dadurch würde die Gesamtsperrzeit der Nordbrücke deutlich verkürzt. Dieses zentrale Anliegen sollte im Sinne aller Verkehrsteilnehmenden in der Region sein.

Dagegen erscheint die aktuelle, im laufenden Planfeststellungsverfahren geplanten Variante mit einem Neubau zweier parallelen Rheinbrücken, verbunden mit dem Abriss von ca. 90 Wohnungen und extrem hohen Kosten, langwierig und nicht zeitgemäß. Dass Bonn und sein Umland sich als Fahrradregion mit einem ausgeprägten ÖPNV bestens eignet und dadurch gerade der individuelle Personenkraftverkehr langfristig deutlich gemindert werden kann, ist unstrittig. Darauf sollten Straßenplanungen durch entsprechende Zurückhaltung Bezug nehmen, ein einfacher Ersatzbau der Nordbrücke 1:1 reicht daher zur Bewältigung zukünftiger Kfz-Verkehre aus. 

Für den „Tausendfüßler“ drängen die vier Initiativen auf eine Plananpassung in diesem Sinne. Der Ersatzneubau dieses Straßenviadukts durch Bonn sollte unbedingt einen Radschnellweg mit integrieren, wenn eine zukunftsfähige Planung erreicht werden soll.

Peter Lorscheid (ADFC)

Rainer Bohnet (VCD)      

Achim Baumgartner (BUND RSK)

Birgit Grahn (Wir für 4)


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Brief vom 28.8.2026 an Bundesverkehrsminister Steffen Bilger

Sehr geehrter Herr Minister Bilger,

die Herausforderungen im Verkehrssektor sind in allen Sparten aktuell herausragend

hoch. Einerseits den Umbau zu einer klimaresilienten, nachhaltigen Gesellschaft zu

unterstützen und andererseits die wirtschaftliche Funktionsfähigkeit aufrecht zu

erhalten und weiter zu entwickeln, verlangt sehr weitsichtige und untereinander gut

abgestimmte und abgestufte Entscheidungen. Wir gratulieren Ihnen daher mit viel

Respekt vor den anstehenden Aufgaben in besonderer Weise zum neuen Amt als

Bundesminister für Verkehr.

Der Planfall der aktuell gesperrten Bonner Nordbrücke, der Friedrich-Ebert-Brücke (BAB

565), und die im Umfeld und Kontext stattfindenden Planungen legen eine sehr über-

legte Gesamtschau nahe. Daher regen wir an, in die aktuellen Abstimmungen und

Planverfahren auch die betroffenen Verbände unmittelbar mit in die Entscheidungs-

findungen einzubinden. Eine frühzeitig gemeinschaftlich entwickelte und abgestimmte

Problemlösung und Problemfindung ist über die zeitliche Gesamtstrecke der Verfahren

außerordentlich förderlich. Aus Planverfahren mit der Industrie, z.B. beim Pipelinebau

von Shell, haben Verbände und Shell mit solchen unmittelbaren Arbeitstreffen sehr gute

Erfahrungen für den Gesamterfolg gemacht.


Für Bonn, das eine jahrzehntelange, sehr blockierende Baustellenphase im Straßenbau

und im Kontext der S 13-Baumaßnahmen hinter sich hat und nun weiteren Jahrzehnten

an umfassenden Baumaßnahmen entgegensieht, sollte eine insgesamt wirksame,

förderliche und möglichst zügige Gesamtlösung erreicht werden.

Wir regen daher an, einen regelmäßig tagenden Runden Tisch zu allen laufenden

Verkehrsvorhaben des Bundes im Raum Bonn zu initiieren und dabei gerade auch die

fachlich sehr gut aufgestellten Verkehrsverbände ADFC und VCD sowie die

Naturschutzverbände einzubeziehen.


In einem kooperativen Diskurs sollten dabei für die zentralen Konfliktpunkte Tausend-

füßler (Spurenanzahl, Radwegemitführung), Vorlandbrücke und Ersatzbau der Nord-

brücke abgestimmte Lösungen aufgebaut werden. Für uns vorrangig ist dabei ein zügiger

Abschluss der Gesamtbelastung durch Baumaßnahmen in der Stadt und eine

zukunftstaugliche Ausrichtung der Planentscheidungen.

Zentrale Bausteine dabei sind nach unserer Einschätzung:

1.) Der bereits ohne öffentliches Planverfahren veranlasste Ersatzbau der

westlichen, linksrheinischen Vorlandbrücke der Friedrich-Ebert-Brücke sollte 1:1

und nicht um 70% verkleinert erfolgen. Der Vorgriff, mit einer reduzierten Breite

der Vorlandbrücke auf eine noch lange nicht planfestgestellte Planung des

Brückenneubaues der Gesamtbrücke führt hier in eine absehbare Konfliktlage

hinein. Er stellt auch die rechtliche Zulässigkeit der aktuellen Vorlandbau-

maßnahmen in Frage. Die rechtliche Legitimation für den aktuellen Bau auf

offenbar nur 70% der Breite des Bestandsbaues bleibt uns bis heute im Dunkeln.


2.) Der Ersatzneubau der Friedrich-Ebert-Brücke sollte so bald wie möglich starten,

parallel zum Bau der Vorlandbrücke und ebenfalls 1:1. Für reine Ersatzbauten hat

der Bundesgesetzgeber eine planfeststellungslose Vorgehensweise angelegt.

Zu erwägen wäre allenfalls, ob im besten Fall dabei die Radwege trotzdem um

jeweils etwa zwei Meter verbreitert werden könnten. Damit würde die tote Zeit

während der Sperrung der Vorlandbrücke bis Ende 2028 effektiv genutzt. Die

naturgemäß dann längere Gesamtsperrung brächte aber insgesamt eine

deutliche Verkürzung von Sperrphasen.


Die aktuelle Planung, die Brücke durch zwei gesonderte Brückenbauwerke zu

ersetzen und somit einen Brückenwechsel wie im Fall der Leverkusener Brücke

vorzusehen, ist gesellschaftlich und rechtlich nach unserer Einschätzung nicht

umsetzbar. Bonn und der Verkehrsfluss auf der BAB 565 brauchen keine Auf-

weitung der Autobahn 565. Weder die Flottenentwicklung noch die

Bevölkerungsentwicklung oder die Netzbedeutung der A565 legitimieren eine

solche übergroße Planlösung. Bereits der Umstand, dass im Zuge einer solchen

Doppelbrückenlösung etliche Wohnhäuser abgerissen werden müssten, be-

schwert die aktuelle Vorzugsvariante ganz erheblich.

„Minister a.D. Patrick Schnieder hatte angekündigt, über die Maße des mit dem

Abriss von Wohnhäusern verbundenen Neubaus mit etwa doppelter Breite

(verteilt auf zwei parallel laufende Brücken) sei noch einmal zu sprechen." (GA-

Bonn, 11./12.7.2026). Wir hoffen, dass die hier sichtbar gewordene Flexibilität

und Offenheit Ihres Amtsvorgängers von Ihnen weitergetragen wird.


3.) Für den „Tausendfüßler" wird der Planfeststellungsbeschluss in diesem Jahr

erwartet. Der ADFC hat je nach Planinhalt bereits eine Klage geprüft und

erwogen, um den von der Stadt Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis seit 2008

geforderten und inzwischen zum Bedarfsplan des Landes angemeldeten

Radschnellweg noch zu ermöglichen. Diese Planung sollte rechtzeitig vor einer

Beschlussfassung an die aktuellen Planbedürfnisse angepasst, um die dringend

benötigten Radwegeachsen ergänzt und an ein nur bestandserneuerndes

Brückenbauwerk der Friedrich-Ebert-Brücke angepasst werden.


Sehr geehrter Herr Minister Bilger, die bürgerschaftlich organisierten Vereine und

Organisationen stellen in unserer Demokratie zentrale Gradmesser notwendiger

Umbauprozesse dar. Sie stehen dafür, absehbar erforderliche, oft herausfordernde

Anpassungen zu bestärken. Sie sind wichtige Treiber der gemeinwohlorientierten

Innovation, die im Miteinander von Verwaltung und Politik zu oft nachgeordnet wird. Die

Autobahn 565 ist eine Stadtautobahn mit überwiegend regionaler Bedeutung. Die

Struktur der lokalen Verkehre erlaubt eine massive Verlagerung von individuellen Kfz-

Verkehren auf das E-Bike / Pedelec, wie nicht zuletzt die von Ihrem Haus eingerichtete

Stiftungsprofessur an der Bergischen Universität Wuppertal nachgewiesen hat. Für den

Lkw- und Handwerksverkehr eröffnen sich bereits dadurch mehr als ausreichende

Reserven im Straßenkraftverkehr. Lassen Sie uns modernen Vorbildern wie den

Niederlanden, Dänemark und anderen folgen.


Die Allianz der Politik mit den bürgerschaftlichen Vereinen und Organisationen ist auch

für die demokratische Verfasstheit unseres Staates außerordentlich wichtig. Gelingt sie

nicht, und nehmen dagegen Abschottungsprozesse wie etwa aktuell geplant beim

allgemeinen Zugang zu Informationen zu, so schwindet das Vertrauen in die Parteien-

politik und die Zukunftstauglichkeit unserer Demokratie weiter.


In diesem Sinne hoffen wir auf eine konstruktive Gesamtverkehrsplanung, die sich den

notwendigen, modernen Umbauprozessen in der Verkehrsinfrastruktur stellt und die

eine zeitliche Verkürzung der Gesamtbauphase an der Nordbrücke unterstützt. Für

entsprechende Gespräche stehen wir selbstverständlich gerne zur Verfügung.


Herzliche Grüße


Peter Lorscheid

(ADFC Bonn/Rhein-Sieg)


Rainer Bohnet

(VCD Bonn - Rhein-Sieg - Ahr)

Achim Baumgartner

(BUND Rhein-Sieg-Kreis)

Erik Sarkissian

(Wir für 4)


https://siegburg.adfc.de/pressemitteilung/verbaende-an-verkehrsminister-bilger-nordbruecke-kurzfristig-11-ersetzen-1

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